Feministische Veganerin

Dumme Menschen hassen Feminismus und Veganer.

Wenn ich mich mit jemand unterhalte und sage, dass ich Feministin bin und die Person sieht mich erschrocken und angewidert an, dann möche ich ab sofort sagen können: “Ich bin auch Veganerin.“

Was hört sich krasser an?
Feministische Veganerin
oder
Vegane Feministin?

Ich bin nur eine vegetarische Feminstin. Das hört sich jetzt nicht soooo krass an.

Ich will sie richtig zur Weißglut bringen. Ich möchte sie wütend machen, sie erzürnen.
Sie sollen schreien: EINE VEGANE FEMINISTIN bzw. EINE FEMINISTISCHE VEGANERIN?

Edvard_Munch_-_The_Scream_-_Google_Art_Project

Ich möchte sagen
“Ich bin eine radikalfeministische Veganerin bzw. vegane Radikalfeminstin“.

Und die dummen Menschen sollen ausrasten, weinen, schreiend davonlaufen.

Und ich werde laut lachen.

In etwa so:

HAHAHAHAHAHAHAHAHAHA.

Ic

One night in Paris

One night in Paris

Euer Girl war in Paris und wie in Paris Hiltons Pornofilmchen (oh nein, ich sollte nichts über Pornos schreiben. Diesen Blog finden ja Leute schon, weil sie immer so etwas wie “pimpern“ googeln. Vor ein paar Tagen hat jemand nach “Puff“ gesucht und landete hier. IHR SEID ALLE SO VERDORBEN. WAS WOLLT IHR HIER? DAS IST EIN ANSTÄNDIGER BLOG) war ich nur eine Nacht in Pari.

Es war natürlich unfassbar romantisch in Paris.

Es war kalt und ich eine Frau im Bus hat mir gesagt, dass ich eine richtige Jacke brauche und dann haben wir uns “unterhalten“ – wie man sich so unterhält, wenn jemand so reden Französisch wie ich schreiben jetzt, weil Französisch von Schule nicht mehr gut sein.

Ich war in Museen und da war es schön.

Ich kam aus einem Museum heraus und da gibt es diese Brücke mit den Schlössern für Liebespaare. Ich ging über diese Brücke und ausgerechnet dort saß ein Paar um die 40 auf einer Bank, beide gutaussehend, nett gekleidet, und sie stritten sich und sie schrie ganz laut: “C’est toi qui…“ drei-Mal. Der Mann sah sie traurig an, stand auf und ging zu einem Mülleimer. Er holte aus einer Tüte zwei Desserts (so etwas wie Pudding) heraus, öffnete die Verpackung, warf sie in den Mülleimer, ging wieder zurück und redete mit der Frau und sie aßen ihre Desserts gemeinsam.

Ich ging in ein Internet-Café, weil ich mir ein Hotelzimmer oder Hostel suchen wollte. Ich hatte mir natürlich vorher kein Zimmer gebucht. Ein Mann schrie die ganze Zeit fürchterlich laut. Ich dachte, dass er sich vielleicht mit seinen Freunden streitet, habe Musik gehört und ihn nicht weiter beachtet. Er schrie aber so laut, dass ich ihn trotz lauter Musik hören konnte. Ein Mann sagte zu mir: “Er ist verrückt.“ und ich stimmte zu. Der Mann wollte mich auf einen Kaffee einladen #internetcafeherzensbrecherin, aber ich wollte nicht. Der wütende Mann wurde immer lauter. Alle Männer im Café waren dunkelhäutig, groß und kräftig. Dann kamen zwei kleine Männer die Treppe hoch (die Computer waren im ersten Stock und unten war die Kasse und die kleinen Männer arbeiten dort). Die Männer sahen aus wie Inder oder aus Pakistan und waren ganz klein und schmächtig. “Beruhigen Sie sich.“, sagte einer der kleinen Männer. Der wütende Mann brüllte ihn an und sagte, dass er macht, was er will. Die kleinen Männer lächelten devot und gingen wieder die Treppe runter. Der saure Mann schrie laut: “saloppe“. Ich denke, dass er mich damit meinte, denn ich war die einzige Frau im Internet-Café, aber unbeindruckt starrte ich auf das Computer-Display und arrangierte mich schon mal damit, dass ich mir kein Hotelzimmer leisten kann und vielleicht gar nicht schlafen würde. Der Mann, der mich zum Kaffee eingeladen hatte, sagte, dass wir (die anderen, er und ich) besser gehen sollten, weil der wütenden Mann im Internet-Café urinierte. Na ja, wenn die Blase drückt. Wir gungen runter und ein Mann lud mich zum Essen ein #internetcafecasanovainweiblich, aber ich wollte das auch nicht, weil ich eine classy Lady bin und mich doch nicht einfach von wildfremden Männern einladen lasse, weil die doch dann dafür höchstwahrscheinlich eine Gegenleistung erwarten und Misanthropen schlafen doch nicht herum 😥

Mein “Hotelzimmer“ war eine ungemütliche Bank am Flughafen. Es war kalt und auch ein bisschen laut.

Ich flog im Privatjet, okay, fuhr mit dem Fernbus zurück und ich saß vorne und der arme Bushfahrer wurde immer sauer auf die Leute und schrie: “WAS SIND DAS FÜR IDIOTEN? ICH SAGE IHNEN VORNE KANN KEINER SITZEN UND DER SETZT SICH VORNE HIN UND WILL NOCH MIT MIR DISKUTIEREN.“ Dann fluchte er weiter aus Serbokroatisch. Jemand wollte eine Zigarettenpause machen, aber der Busfahrer sagte erst beim nächsten Stopp. Der Mann maulte herum. Als der Mann sich wieder hinten hinsetzte, schimpfte der Mann wieder über diese ganzen Idioten. Der Busfahrer war mir natürlich unfassbar sympathisch und ich unterhielt mich mit ihm und machte einen Witz, damit er sich nicht mehr so viel ärgert und dann hat er gelächelt und dachte vieleicht, dass vielleicht nicht alle Idioten sind und war ganz nett zu mir. #busfahrersliebling Ich könnte kein Busfahrer sein. LKW-Fahrer schon eher.

Original

Ich möchte nicht übertreiben oder mich ärgern, aber ICH BIN SCHON SAUER DARÜBER, dass dieser “Druide“ von den Reichsbürgern Burgos von Buchonia I

http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/frankenschau-aktuell/reichsbuerger-druide-bischofsheim-100.html

http://www.stern.de/politik/deutschland/burghard-b—nazi-druide-ruft-zu-mord-an-juden-und-muslimen-auf-7299134.html

meinen Blog gelesen hat und sich dann von diesem Post

https://streunendekatze.wordpress.com/2016/08/15/europaeisch

für sein Outfit hat inspirieren lassen 😥

Ich verlange von meinen Lesern, dass ihr ihm ein paar verpasst. Merci.

Anstalt

Die Anstalt ist die beste Sendung im deutschen Fernsehen.

Ich liebe Max Uthoff so.

Ich verzeihe der Anstalt auch, dass sie die unerträgliche, unlustige Dummbratze Hazel Bruggers eingeladen haben.

Hazel, die Witze über Autisten macht oder die in ihrem “Buch“ geschrieben hat, dass sie gerne “behindert“ als Schimpfwort sagt, weil sie eben ein Arschloch ist (oder so ähnlich).

Wenn es nicht so peinlich und vulgär wäre berühmt zu sein, würde ich berühmt werden müssen und dann würden Hazel und ich mal in einer Talkshows auftreten und ich würde eine Flasche nehmen und sie kaputtschlagen und Hazel beim Kragen packen und ihr die Flasche an den Hals halten und schreien: “Hazel, du kleines Stück Scheiße, bald kannst du dich auch als behindert bezeichnen.“ Ich würde dann aber in die Kamera lachen und sagen: “Nein, Gewalt ist doch keine Lösung ha ha.“ und die Dummbratze loslassen. Das wäre mir eine Strafanzeige wert und meine Sozialstunden würde ich gerne in einem integrativen Kindergarten oder einer Behindertenwerkstatt machen und wenn die mich dann dort fragen, was ich angestellt habe, würde ich sagen, dass ich eine Dummbratze ein bisschen geärgert habe, die “behindert“ als Schimpfwort benutzt und Witze über Autisten macht.

Ich habe mal ein Interview des Verlegers bei Hazels Verlag Kein&Aber gelesen, der etwas von “Qualität“ faselte und wie er die Bücher auswählt und dann verlegt der so einen grottenschlechten Schrott. #peinlich

Aber genug über Scheiße geredet. Kommen wir wieder zu etwas Gutem.

Die Anstalt.

Ich weiß nicht, ob ich die Anstalt oder Martin Schulz mehr liebe?

Ich muss knobeln oder so etwas.

Nein, das war ein Witz. Gangsta wie ich knobeln nicht. Knobeln ist nur etwas für Streber wie euch.

Ich als Genie (und Gangsta) muss nachdenken.

Til Schweiger, Jan Böhermann, Campino

Ich habe gelesen, dass Til Schweiger eine Kita für Flüchtlingskinder eröffnet hat. Er hat eine Stiftung, die Til Schweiger Foundation, und knapp über die Hälfte der Kosten für die Kita wurde von seiner Stiftung getragen.

Ich mag Til Schweigers neue Filme nicht sonderlich. Ich kenne eher seine alten Filme. Von den neueren kenne ich nur Auschnitte und diese mochte ich nicht, aber ich denke, dass Schweiger ein ganz netter Typ zu sein scheint.

Ich weiß, dass sich der peinliche, unlustige Böhmermann mal über ihn lustig gemacht hat, weil er bei Facebook komisch schreibt oder so etwas, aber ich wüsste nicht von einer Böhmermann Foundation, die eine Kita für Flüchtlingskinder eröffnet hätte. Ich weiß nur von einem Böhmermann, der in seiner Sendung “Vergewaltigungswitze“ macht. Til Schweiger macht zum Beispiel keine Vergewaltungswitze. Böhmermann sagt “N-ger“, Schweiger nicht, Böhmermann macht Witze über Frauen in Österreich in Kellern – wie avantgardistisch und einfallsreich, Schweiger macht das nicht, Böhmermann versucht Erdogan zu beleidigen, nimmt dazu aber gängige Beleidungen, die man so für Türken hat, Schweiger macht das aber nicht. Böhmermann geht erst zu RTL, aber seine Sendung wird abgesetzt und er rächt sich mit diesem Verafake. Schweigers Karriere läuft zu gut und er braucht sich nicht zu rächen. Campino macht einen “Band Aid“ mit anderen Künstlern, Böhmermann macht sich darüber lustig, weil das ja völlig normal ist, dass man sich lustig machen sollte über Leute, die sich für eine gute Sache einsetzen – auch wenn es für sie ein bisschen Promo bedeutet. Böhmermann macht sich über die süße, unschuldige Julia Engelmann lustig, aber lädt in seine dummen Sendungen ständig Springeridioten ein. Spendet Böhermann Geld?

Rotzig-frech

Wenn einem Buch folgende Attribute zugeschrieben werden von Verlag und Feuilleton und anderen Schlaftabletten, weiß ich, dass es schlecht sein muss und lese es eher nicht

Rotzig
Frech
Kodderschnauze
Böse
Bitterböse
Rotzig-frech
Tieftraurig (damit ist dann aber so etwas wie “Wohlstandsverwahrlosung“ in Berlin gemeint)
Generation
Schamlos
Urkomisch oder hochkomisch
Lässig
Raue Sprache (es kommt, oh Schreck, gleich auf der ersten Seite das Wort “Ficken“ vor. Oh nein. Der Autor/die Autorin aus gutem Hause ist ganz, ganz hart drauf seit er oder sie in die Großstadt gezogen ist.)
Rotzig-freche Attitüde, lässige Attitüde etc.
“Gesellschaftskritik“ (Gesellschaftskritik ist: Der Kaffee in Berlin Mitte ist so teuer und wir sind alle beziehungsunfähig)
Unaufgeregt (bedeutet langweilig?)
“Schauplätze“ (damit sind meist Clubs oder so etwas gemeint)
Narzissmus/narzisstisch (Nein, danke)
“Philosophisch“ (jemand schwafelt herum und ist “irgendwie ein bisschen traurig“, weil er zu viel Zeit zum Grübeln hat, da er oder sie ja nicht arbeiten muss)
Dekadenzroman/Dekadenz (jemand hat keine Geldprobleme, ist aber trotzdem voll traurig und so. Vermutlich weil der Kaffee in Berlin so teuer ist und es so schwer ist “normalen Filterkaffee“ zu bekommen und irgendjemand nimmt Koks oder trinkt Alkohol)
Wahnsinnig komisch (Nein, eher wahnsinnig schlecht)
Radikal (ZZZZZzzzzzz. So radikal wie Gänseblümchen zu pflücken)
Verstörend (jemand hat Sex auf Drogen oder so etwas)
Sprachlich roh (es kommt ca. drei Mal das Wort “ficken“ vor)                                           Jugend-Slang der 70er, um das Buch zu beschreiben (fetzig, abgefahren)
“Bonuspunkte“:
Ein Roman wurde in einer Mainstream-Frauenzeitschrift besprochen. Dann kann man ihn eigentlich auch gleich vergessen.

Das alles klingt immer so ein bisschen als ob die zwei “braven Jungs“ aus dem Fight for your right to party-Beastie Boys-Video mir ein Buch, ein rotzig-freches, empfehlen möchten und ich bin einer der “bösen“ Partygäste. Danke, nein?

Do you like parties?
Yeah
We can invite all our friends and have soda and pie
Yeah
I hope no bad people show up

 

“Pimmelwitz“

Ich meide schon seit Längerem deutsche Medien. Die meisten deutschen Zeitungen sind doch immer noch zu sexistisch (unter anderem). Immer wieder gibt es sexistische Artikel, die es so bei ausländischen Zeitungen nicht gibt. Über “Zeitungen“ und “Magazine“ wie Bild, Welt, Focus und “rechtsnationale“ oder “konservative“ muss man erst gar nicht reden, aber selbst bei den übrigen gibt es so viele sexistische Artikel, die es so bei ausländischen Zeitungen nicht gibt. Es hat etwas Kleingeistiges und “typisch Deutsches“. Selbst “linke“, deutsche Zeitungen kann man nicht lesen, wenn man sich nicht immer mal wieder ärgern möchte. Bei linken Zeitungen aus dem Ausland ärgere ich mich nie über Sexismus – ich ärgere mich eher darüber, wenn sie mir zu “regressiv links“ sind. Das geht mir auch bei Menschen so. In Deutschland ärgere ich mich über Sexismus und altmodische Rollenbilder und im Ausland ärgere ich mich, wenn Menschen mir zu “links“ sind. Ich bin politisch eher Mitte links und manche Meinungen erscheinen mir zu naiv oder weithergeholt. Ich kann mich aber über diese “Linken“ nicht so ärgern, weil es gutgemeint ist.

Gestern las ich aber mal wieder deutsche Nachrichten und nach ungefähr einer Minute musste ich das Wort “Pimmelwitz“ lesen. Ich klickte auf einen Link.

Deutschland, enttäuscht nicht.

Um was ging es?

Eine Sendung mit Jan Böhmernan und Olli Schulz zum Thema Sexismus vom 6.März. Ein Artikel bei Stern.de Schorsch Kamerun hätte sich ein bisschen geärgert.

Ich mag Schorsch und habe mir deshalb die Sendung angesehen. Ich mag Jan Böhermann nicht und seit Olli Schulz mit ihm so eng ist, mag ich ihn auch nicht. Ein Bekannter hatte 2016 Karten für ein Konzert von Olli und hat mich gefragt, ob ich mitgekommen möchte. Kostenlos. Ich habe abgesagt. Böhmermanns und Schulz‘ Niveau ist so tief – es passt durch die Tür durch. Es ist so tief – ihm ist die Kanalisation nicht zu weit unten und nicht dreckig genug. Aber wegen Schorsch Kamerun wollte ich mir die Sendung ansehen. Ich könnte ja immer noch vorspulen, wenn Schulz und Böhmermann reden. Ich habe es nur für Schorsch gemacht.

Die Gäste: Schorsch Kamerun, Laura Himmelreich, Ben Tewaag, Rolf Pohl und Moderatoren Jan Böhmermann und Olli Schulz.

Böhmermann und Schulz enttäuschen nicht.

Die Sendung beginnt und es fällt auf, dass nur eine Frau eingeladen wurde. Schulz und Böhmermann sagen, dass nur Himmelreich kommen wollte.

Böhmermann stellt Ben Tewaag vor und erwähnt wegen was Tewaag schon mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist. Er sagt: “…und schlug die eigene Freundin zusammen.“ Er lacht.

Ich weiß nicht, ob es akzeptabel wäre, wenn es nicht die eigene Freundin wäre oder die Freundin eines oder einer anderen und dann auch noch das dumme Lachen von Böhermann und Teewag lacht gleich mit.

Später befragt Böhmermann Laura Himmelreich zur “Aufschrei“-Debatte um Rainer Brüderle. Er fragt Laura Himmelreich, ob sie ein “schlechtes Gewissen“ hätte, weil sie Brüderle so viel Ärger gemacht hätte. Himmelreich sagt, dass sich Brüderle hätte professionell verhalten sollen und dann hätte sie auch nicht einen Artikel über ihn geschrieben. Schon allen die Frage nach dem schlechten Gewissen, lässt erahnen, was für eine Hohlfritte Böhermann ist. Mann macht sexistische Äußerung, Frau beschwert sich, die Frau ist schuld. Peinlich.

Himmelreich ist die Chefredakteurin des Vice-Magazins. Olli Schulz fragt, wie es sein kann, dass es bei Vice Artikel über Drogen und Sex gäbe, wenn sie doch gegen Sexismus sei. Sie und Rolf Pohl müssen ihm den Unterschied zu Sex und Sexismus erklären.

Immer wieder macht Schulz platte “Witze“. Schorsch Kamerun beschwert sich darüber. Selbst Böhmermann erscheint in einem besseren Licht neben Olli und nicht ganz so platt.

Böhmermann und Schulz sagen, dass Sexismus eben “ein schwieriges Thema“ sei und die Welt komplizierter als früher sei.

Falsch, denke ich. Ihr seid nicht intelligent genug. Daran liegt es. Man muss Frauen viel gleichwertige Menschen behandeln. Das wäre erst mal der Anfang.

Was lässt sich zu der Sendung sagen?

Eine Sendung allein mit Rolf Pohl, Schorsch Kamerun und Laura Himmelreich ohne Böhermann und Schulz, bitte.

Böhermann und Schulz waren wie Teenie-Jungs, die die Diskussion der Erwachsenen immer wieder gestört haben. Der Sozialpsychologe Pohl, der nur Kluges gesagt hat, Laura Himmelreich, die irgendwann gar nichts mehr sagen wollte, weil es ihr zu dumm war und Schorsch Kamerun, der, wie ich merkte, jemand ist, der vielleicht keine feministischen Bücher (First und Second Wave) liest und als Mann von Sexismus selbstverständlich nicht so betroffen ist wie eine Frau, aber es dennoch grundsätzlich versteht und wenn Böhmermann, Tewaag und Schulz nicht ununterbrochen die Gäste unterbrochen hätten und ihren geistigen Trivialitäten zum “Besten“ gegeben hätten, hätte Rolf Pohl Schorsch Kamerun auch einiges erklären können. Schorsch Kamerun war auf dem richtigen Weg und hat sich eigenständig Gedanken gemacht. Dass er ein kluger Mann ist, wusste ich schon vorher, aber es ist dennoch schön, wenn das noch mal bestätigt wird. Er hätte aus “feministischer Sicht“ nur noch einen kleinen Anschubser benötigt.

Unterwegs

Ich sitze am einem Bahnhof. Es gibt kostenloses Wlan.

Ich lese die Nachrichten, aber die machen mich wie immer traurig oder wütend.

Ich öffne eine andere Seite. Ich muss nach grinsen. Ich lese ältere Beiträge. Ich muss schallend lachen. Die Seite ist so witzig. Der oder die Verfasserin muss ein Genie sein.

Dann war es mir aber schon ein bisschen peinlich. Was ist, wenn mich andere Menschen fragen, was ich da lese, was so witzig ist?

Euch kann ich es ja sagen.

Ich habe diese Seite gelesen

http://www.streunendekatze.wordpress.com

 

JA, es ist ein bisschen peinlich und eitel, dass man so über seine eigenen Einträge lacht, aber es wäre doch viel peinlicher, wenn ich mit einem Spiegel am Bahnhof sitzen würde und mein Spiegelbild anschmachten würde. Das würde ich nie machen. Und das hier ist eben der beste Blog der Welt. Sagt es weiter.

Anleitung für einen Berlin-Roman

Eine Autorin hat in einem Interview gesagt, dass ihr Buch in München spielt, weil es schon so viele Berlin-Romane gibt und es ihr ein bisschen unangenehm wäre auch so einen Roman zu schreiben.

Recht hat die Frau. Es gibt unzählige “Berlin-Romane“.

Ich habe noch ein paar ältere Artikel gelesen, in welchen darüber geklagt wird, dass die meisten deutschen Jungautoren an den Literaturinstituten Leipzig und Hildesheim “schreiben lernen“ und sie alle haben den gleichen Background und das Gleiche zu sagen (es ist wenig) und von ihnen gibt es auch den oder anderen Berlin-Roman.

Sie möchten auch einen Berlin-Roman schreiben und der Liebling der “Experten“ im Feuilleton und bei den Verlagen werden?

Inspiration für ihren großen Durchbruch finden Sie hier.

Die Autoren sind frei erfunden, aber nehmen Sie einen von Ihnen als Vorbild und Ihrer Karriere als Literatur-Star steht nichts mehr im Wege

 

Die Bücher:

 

“High“ von Augustus Knöckerig, Journalist aus Berlin

“Ich gehe spazieren und bin irgendwie ein bisschen traurig. Weiß auch nicht so genau warum. Ich sitze in einem Park und lese ein altes französisches Buch. Das ist bestimmt aus dem 18. Jahrhundert oder so. Ich habe es mir wegen des Covers gekauft und weil der Name gut klingt. Das Wetter ist ganz gut. Ich hole mein Butterbrot aus meinem Jutebeutel und lege das langweilige Buch weg. Ich habe einfach keinen Bezug zu alten Büchern und Franzose bin ich ja auch keiner. Ich lese einen interessanten Artikel in der WELT, der mich zum Denken anregt. Er ist so rotzig-frech irgendwie. Da schreiben so kluge Leute irgendwie. Ich lese noch den Focus und die Kolumne von Martenstein. Später fahre ich dann mit dem Fahrrad durch den Tiergarten und zurück in meine Wohnung. Ich habe noch Hunger und esse ein Butterbrot. Ich gehe am Abend in einen Technoklub. Das ist das Gute an Berlin, dass es so viele Klubs gibt. Das gibt es ja nicht so in meiner Heimatstadt. Ich sehe meine Ex-Freundin Marie. Sie redet mit einem Typen an der Bar und tut so als ob sie mich nicht sieht. Ich frage mich, ob sie ficken. Das ist das Nicht-Gute an Berlin. Ich bin ein bisschen traurig, aber dann fällt mir ein, dass ich Speed in meinem Beutel habe. Speed und noch ein Brot, aber diesmal ist es eines mit Marmelade. Ich muss grinsen. Es sind ganz schön viele Hipster hier im Klub. Der peitschende Techno ist ganz schön laut. Ein Hipstermädchen sieht mich an. Sie sieht aus wie Samara von The Ring. Wir küssen uns. Ihre Zunge und Lippen sind nass. Ich berühre ihre Scheide und ihren Beutel, frag mich, was sie da drin hat. Ich muss an Urlaub an der Nordsee mit den Eltern und dem Bruder denken. Ich denke an Fische, Muscheln, Calamares, Sushi und Seegurken. Dann habe ich einen Filmriss.“

“Wellenlänge“ von Thorben Richter, Journalist aus Berlin

“Ich zog nach Berlin, weil ich unter Gleichgesinnten sein wollte, weil ich meine Kleinstadt verlassen musste, weil eine innere Stimme in mir zu mir sprach und mir sagte, dass ich nach Berlin ziehen muss. Ich musste nach Berlin. Ich wollte immer nach Berlin. Nie hatte ich woanders hingepasst. Nie verstand ich mich mit den anderen. Ich war auserkoren worden nach Berlin zu ziehen. Berlin hatte mich gerufen und ich war dem Ruf gefolgt. Ich musste dem Rebellischen in mir nachgeben. Natürlich erst nach meinem Abitur, aber jetzt war ich da. Eigentlich schon länger, aber am Anfang war alles noch so neu und aufregend. Da nahm man das alles noch nicht so wahr. Berlin, die Großstadt, das Moloch. Im Großstadtdschungel untertauchen und einer von vielen sein. In der Anonymität verloren gehen. Hier verstand man mich. Hier konnte ich sein. Hier konnte ich frei sein. Techno und Drogen. Die Clubs. Techno. Jetzt war mir das vertraut. Ich war endlich angekommen. Großmutter rief an. “Kind, isst du auch genug Gemüse?“, fragte sie mich. Nein, Großmutter, ich nehme Drogen, dachte ich. “Kind, bist du noch da?“, fragte sie. Ihre Stimme klang weich und so voller Liebe und Zuneigung. Ich verspürte auf einmal eine unendliche Liebe in mir für sie und für meine Heimat so fern von Berlin, dieser Millionenstadt. Die kleinen Straßen und Häuschen, die Bordsteine, die schon früh hochgeklappt werden, wo nie was los ist außer vielleicht eine Kirmes oder ein Schützenfest, meine alte Schule, mein Elternhaus. Ich wusste, dass ich die Heimat verklärte. Das machte die Distanz. Drei Stunden Zugfahrt von zuhause entfernt sind eine unendlich lange Entfernung und deshalb konnte ich verklären. Nein, ich esse nicht genug Gemüse. Ich bin verdrogt und abgerockt. “Ja, Großmutter.“, sagte ich. “Ich esse genug Gemüse.“ “Das ist schön, Kind.“, sagte sie. “Bleibst du in Berlin oder kommst du wieder? Du könntest doch auch hier studieren, Ralph.“, sagte sie. Nein, ich kann nicht aus Berlin weg. Berlin ist meine Berufung. Ich bin ein Teil Berlins. Ich gehöre dazu. Die Hauptstadt ist voll meine Wellenlänge.“

Die Österreicherin Katharina Küblbaur, Journalistin, schreibt in “Miss Austria“

“Hier bin ich, in Berlin. So weit von der Heimat entfernt. Hier habe ich einen Dialekt. Hier bin ich Fremde. Die Nachbarin im Stiegenhaus hat gefragt, woher ich komme. “Schau.“, sagte ich. “Das kann ich dir nicht sagen.“ Habe ich das schon mal gesagt? Weiß das wer? Nein. In der U-Bahn bin ich gesessen und hab an Österreich gedacht. An Marillenknödel hab ich gedacht und an Würstel, leckeres Tafelspitz, Palatschinken, Germknödel, Gulasch, Braten, Sülze, Franz Joseph I. und Wiener Schnitzel. Das Wiener Schnitzel in Berlin pack ich nicht. Hier werde ich immer Fremde sein. Hier fragen sie mich über Österreich. Über die Heimat. Hier bin ich “Die aus Österreich.“ und bin Ausländer wie die Afrikaner und Moslems. Eine ewige Aussätzige, die bloß ein Wort spricht und sich schon verrät. Die als Ösi, Bergdeutsche oder Schluchtenscheißer beschimpft wird. Verstanden haben sie mich nicht in einer Wirtsstube. Und gelacht haben sie über mich. Wo ich eine Eierspeise bestellt habe. “Ah geh.“, habe ich ur sauer gerufen und bin mit dem Fuß aufgestampft. Gustel Bauer-Swoboda steht auf meinem Namensschild. “Was ist das denn für ein Name?“, fragte die Nachbarin. Ich sperre die Tür auf und renne in die Wohnung, hole ein Brathendl aus dem Eisschrank, weine. “Scheiß-Piefke“, schreie ich. “Scheiß-was, Frau Bauer-Swoboda?“, ruft die Nachbarin.“

Larissa Schmidt, “Auftauen“, Journalistin aus Berlin, schreibt

“…und jetzt kommen Phillip und Tabea zu Besuch und natürlich verstehen sie nichts. Nichts. Das ist Berlin. “Ganz schön dreckig hier.“, sagt Tabea. “Ja, das ist eben Berlin.“, sage ich trotzig. “Ja, aber man könnte mal ein bisschen hier saubermachen.“, sagt Phillip missbilligend. Wir schlendern durch Kreuzberg und kommen am Kottbusser Tor vorbei. “Das ist ja hier ganz schrecklich.“, ruft Tabea. “Warum führst zu uns hier hin, Hannah?“ Ich seufze. “Das ist eben Berlin.“ Ich sehe mich um. Da sind die ganzen armen Migrantenmenschen. Sie stehen da und unterhalten sich. Sie sind so undeutsch und doch gehören sie zu Deutschland dazu und ich zu ihnen. Es ist die Romantik der Straße. Es ist Berlin. Sie sind arm und sprechen in gebrochenem Deutsch, aber auch sie haben Gedanken, Gefühle wie ich. “Ich muss hier Bio-Zwiebeln in diesem Supermarkt kaufen.“, sage ich. “Ich koche euch doch heute was Schönes. Wollt ihr mit reinkommen oder wartet ihr hier draußen?“ Tabea sagt: “Wir warten hier draußen. Oder Phillip?“ Phillip nickt. Da sind so viele Migranten in dem Supermarkt in Neukölln. Ich bin davon schon gerührt, dass sie mich nicht beachten. Sich von mir nicht bedroht fühlen. Ich, Deutsche. Als ich aus dem Supermarkt komme, sehen mich Phillip und Tabea wütend an. “Du hast ganz schön lange gebraucht.“, sagt Tabea vorwurfsvoll. “Wie kannst du uns hier nur so lange warten lassen?“ “Das ist Berlin.“, sage ich. Eine Packung Kaugummi, die ich im Supermarkt gekauft habe, fällt aus meiner Einkaufstüte. “Was ist das?“, ruft Tabea entsetzt. “Nimmst du etwa Drogen? Sind das Drogen?“

Klaudia Kamm schreibt in “Wacht auf und empört euch“

“Unsere Generation ist verloren. Es ist so schwer für uns. Es ist so schwer heute jung zu sein. Das kann sich doch niemand Altes vorstellen, weil die so alt sind. Die hatten es viel einfacher. Wir haben so viel und darum leiden wir. Es ist nicht okay. Das alles ist nicht okay. Man sagt unserer Generation nach selbstverliebt zu sein und zu verweichlicht, aber nein, ich möchte nicht über unsere Generation reden. Ich möchte irgendetwas kaputtmachen, mich schlagen, dann weiß ich, dass ich da bin. Ich möchte nicht in eure genderneutralen Safespaces. Ich möchte es gefährlich haben. Eine Nuklearkatastrophe oder ein Krieg wäre echt mal krass. Dann würden wir auch wieder etwas fühlen. Soziale Medien betäuben uns wie Benzos. Ich will euch wachrütteln wie eine Tasse Kaffee oder ein Schlag ins Gesicht. Wacht auf. In der U-Bahn sehe ich schlechtgekleidete Menschen. Sie kaufen bestimmt bei Aldi oder Lidl und kaufen ihre billigen Klamottenfetzen bei Primark, Kik, NKD, C&A und H&M und so. Sie stinken nach Zigaretten und Wodka, denke ich, aber ich komme ihnen nicht zu nah, damit ich das nicht riechen muss. Sie sind hässlich. Sie haben keinen Glamour. Sie fahren bestimmt schwarz, weil sie kein Geld haben. Ich rieche an meinen Klamotten. Sie riechen nach Chanel Parfüm. Ich lächle. Armsein is not very chanel, denke ich. Ich steige am Rosenthaler Platz aus und renne in meinen Ex-Freund rein. “Du hast ja ein neues Auto.“, sagt er. “Habe ich bei Facebook gesehen.“ Ich grinse. “Man muss doch der Wohlstandsverwahrlosung irgendwie entgegenhalten.“, sage ich. “Warum fährst du dann U-Bahn?“, fragt er. “Es werden neue Sitze bei meinem Auto reingemacht.“, sage ich. “Ich habe gesehen, dass du jetzt 5000 Follower bei Twitter hast.“ sagt er. “Ich habe auch schon über 5000 Freunde bei Facebook und kann keine neuen mehr annehmen.“, sage ich stolz, aber tief drinnen bin ich traurig. Ich bin so traurig, weil ich so viel habe. Ein Kind in Afrika ist ja eigentlich viel besser dran, weil es sich auf seine Grundbedürfnisse konzentrieren muss und ich? Ich habe so viel Auswahl. Ich checke Facebook. Zu welchem Event soll ich heute gehen? Mein Ex-Freund räuspert sich. “Du, sorry.“, sage ich. “Ich wusste nicht, dass du noch da bist.“ Er grinst. “Du, Bock auf’n Kaffee?“, sagt er. “Ich kenn da so ’n voll stylisches Café, das neu aufgemacht hat. Da gibt’s echt super lecker Avocado-Toast. Du, da gehen Medienmenschen und Hipster wie wir hin. Ich feier das voll ab. Hast du schon die neueste Folge von Neo Royale geschaut? Ich finde Jan Böhmermann macht so voll die gute Satire.“ Ich muss weinen, weil die Veränderung die Beständigkeit wie eine Katze eine Maus jagt und man tapst nur herum und das alles schlackert einem entgegen und man selber ist so schlapp wie der Penis eines alten Mannes ohne Viagra. Es ist so krass. Wir posten deshalb so viel bei den sozialen Medien. Tinder, Netflix, Facebook, Twitter, Instagram, Likes, Follower, Auswahlmöglichkeiten, Photoshop, Ennui, Ennui. Keine Generation hatte es so schwer wie unsere. Ich sollte ans Meer fahren und mich selbst finden.“

Clara Schwitz, Autorin “Maskenträger in Berlin“

“Ich bin so traurig irgendwie, weiß auch nicht, warum. Das ist wohl so in Berlin. Ich bin bei einer Party. Ich kenne zwar die Leute nicht und rede nicht mit ihnen, aber ich weiß, dass sie oberflächlich sind, dass sie Masken tragen. Ich bin tiefgründig. Berlin. Ich muss wegfahren. Ich muss ans Meer fahren oder vielleicht in mein Heimatdorf? Ich muss weg aus Berlin. Da habe ich ich Hildesheim schreiben gelernt und schreibe nichts. Niemand versteht mich.“

Julia Müller, Autorin “Schlammgrün“

“Ich ging in den Garten. Die Mauer sah mich moosbedeckt an als wartete sie auf eine Reaktion, doch ich blieb stumm stehen, sah auf meine Füße, sah auf meine Zehen, die sich tief in das Gras bohrten wie Finger in rohes Fleisch. Meine Zehen vermischten sich mit dem Grün des Grases und dem braunen Matsch, denn zuvor hatte es einen Regenschauer gegeben. Meine Zehen färbten sich in ein leuchtendes, kaleidoskopartiges Schlammgrün. Die Sonne schien durch die Baumwipfel und ich spürte sanft den Wind auf meiner Haut. Ich trug das brombeerfarbene Kleid, das Kleid, das mich an meine Kindheit erinnerte. Das Kleid, das ich trug, als ich im verwilderten Garten meiner Großmutter Brombeeren mit dem Bruder aß an heißen Tagen in den Sommerferien und manchmal trank ich auch Limonade. Kirschlimonade, Erdbeer oder Zitrone. Die Limonade schmeckte süß und kribbelte auf meiner Zunge, in meinem Mund. Martin hat gesagt, dass Eistee besser schmeckt, aber Eistee mochte ich nie. Ich mag süße, erfrischende Limonade, zu süße Limonade. Ich verspürte Hunger. Dabei hatte ich vor nicht mal einer Stunde ein Butterbrot gegessen. Mit viel Butter so wie Martin es gerne aß. Es war noch nicht Abendbrotzeit. Ich seufzte, betrachtete meine Hände, roch daran. Zwiebeln hatte ich in der Küche geschnitten. Gestern. In der holzvertäfelten alten Küche und der Dielenboden knarzte unter jeder Bewegung. Die Hände rochen noch heute nach den Zwiebeln. War es gut gewesen aufs Land zu fahren, fernab vom Trubel der Großstadt? Dem Großstadtdschungel? Der Wohlstandsverwahrlosung, die ich verspüre, weil mir meine Eltern eine Wohnung bezahlen, nachdem ich in Leipzig so gut schreiben gelernt habe und ich jetzt aber auch mal nach Berlin ziehen musste und viel Zeit habe zum Grübeln? Fernab von Martin? Ich wusste es nicht. Ich betrachtete meine schlammgrünen Zehen. Der Himmel war grau und fließend. Ich erinnerte mich an einen Traum, den ich mal hatte. Ich stand auf einem Hügel und plötzlich wurde alles grau und das Grün des Grases verschwand und alles wurde grau gefärbt wie von übereifrigen Malern, die eigentlich auch nicht wissen, was sie da tun, genauso wenig wie ich. Mein Magen knurrte. Ich beschloss heute mal frech zu sein und schon vor dem Abendbrot zu naschen. Barfuß tapste ich über die Terrasse in die Küche. Schlammgrüne Fußabdrücke auf den Fliesen, meine. Ich nahm Antipepressiva. Ich sah aus dem kleinen Küchenfenster wie arme Kinder auf der Straße spielten. Sie taten mir ein bisschen leid, aber ich konnte ja auch nichts für ihre Armut. Die Kinder hatten bestimmt Ossi-Namen. Martin rief an. Nein, ich wollte nicht mit ihm reden. Konnte nicht. Ich wollte allein sein und nicht mehr der Großstädter sein von dem alle immer etwas erwarten. Schicke Klamotten und viele Likes bei den sozialen Netzwerken. Nein, ich wollte die Landflucht für mich wählen, aber kraftlos sah ich auf das Display meines Handys. Morgen würde ich mich wieder fügen und nicht mehr so frech sein, aber heute hatte ich schlammgrüne Zehen, dachte ich. Ich seufzte. Nein, ich konnte nicht allein sein, nein, ich kann es nicht. Bei Facebook hatte ich auch schon seit gestern nicht mehr gepostet. Ich konnte nicht mehr, das alles nicht mehr. Es war zu viel für einen Menschen. Ich hob ab und Martin brummte: “Warum hast du so lange gebraucht, um ranzugehen? Du, ich habe es schon mehrmals probiert. Wo steckst du? Hast du schon gesehen, was Clara bei Facebook gepostet hat? Die ist mit Holger in Griechenland und macht Selfies mit Refugees. Stell dir das mal vor. Dabei wollten die doch auf die Malediven. Larissa und Gerrit haben auch schon deswegen angerufen. Ich denke ja heute noch, dass Claras Daddy ihr damals das Abitur gekauft hat. Ich meine, so dümmlich wie die ist. Findest du nicht auch? Die Titten hat diese Nutte sich doch auch machen lassen. Du, ich muss Schluss machen. Kommst du heute zu einer voll wichtigen VIP-Medien-Party in Berlin Mitte, wo alle Zugezogenen-VIP-Berliners wohnen? Können auch ein bisschen Kokain schnupfen. Ulf hat einen neuen Drogendealer mit echt gutem Stoff.“ Ich seufzte. Ich legte auf und rief ein Taxi. Stumm ließ ich die Landschaft an mir am Fenster vorbeigleiten. Felder, in satte Farben getaucht. Grün, gelb, darüber hing der Himmel in Blau mit wenigen Wolken. Grauer Asphalt, bunte Autos mit Menschen drin. Stumm fuhren wir die 100 Kilometer bis nach Berlin. Nicht mal das Radio dudelte. Nur kurz würde ich mit dem Fahrer reden. Nur kurz. Später würde ich dann sagen, dass es ein längeres Gespräch war. Der Taxifahrer sah aus wie ein Moslem und das machte sich immer gut, wenn man sagen konnte, dass man Bekannte hat, die Migranten sind. Das machte sich immer gut. Zurück nach Berlin. Likes bei sozialen Medien und überteuerter Szene-Kaffee. Wie kann man sich da nur selbst finden, wenn es doch so schwer ist?“

André Sauer, Autor, “Berliner“

“Hier war ich also in Berlin, die Großstadt, das Moloch. Mein Germanistikstudium hatte ich erfolgreich abgeschlossen, Praktika gemacht, das gehört ja dazu, man muss ja erst mal was Vernünftiges machen, aber endlich war ich frei. Saß auf gepackten Koffern und wartete auf den Zug. Auf den Zug nach Berlin in die Freiheit, den Großstadtschungel. In Berlin, wo ich endlich der sein konnte, der ich wirklich bin. Ich würde mich in Berlin selbst finden. Nein, ich würde mich neu erfinden. Das würde ganz von selbst passieren, denn das ist die Dynamik Berlins. Sie macht aus dir einen anderen ganz von selbst. Ficken, Drogen, Clubs, Alkohol, Cafés, Menschen. Je mehr ich mich von meiner Heimatstadt entfernte, desto freier fühlte ich mich. Der Zug rollte durch fremde Bahnhöfe kleiner und mittlerer Städte und es lagen immer mehr Kilometer hinter mir und ich kam meinem Sehnsuchtsort Berlin näher. Heute Nacht würde ich in meinem schicken Apartment in Mitte einen Drink nehmen und ein neuer Mensch sein. Ich, Berliner.“

Digitale Boheme von Mitzi von Strizzi

“Ich mag Vanille-Joghurt, weil er mich an meine Kindheit erinnert, ich mag aber auch Kirsch-Joghurt. Ich bin irgendwie ein bisschen traurig, aber ich weiß auch nicht warum. Das ist Berlin. Die Straßen sehen grau und trist aus. Ich kaufe mir einen überteuerten Kaffee in einem Pappbecher und gehe spazieren. Ich rauche eine Zigarette. Es ist kalt und ich friere an den Fingern. Ich habe meine Handschuhe zu hause vergessen. Ich sehe auf mein Iphone. Luisa hat mir geschrieben. Abends gehen wir auf eine Party. Die Menschen sind langweilig. Sie schieben sich Small-Talk zu so als wären sie Postboten mit Paketen, die keiner haben will. Jeder nickt nur freundlich und nippt an seinem Glas. Der neuste In-Cocktail, das hippe Szene-Getränk. Die Menschen tragen Masken und man fragt sich, ob dahinter etwas steckt oder ob da gähnende Leere ist. Gähnende Leere. Da ist Joshua. Er winkt, aber ich tue so als kenne ich ihn nicht. Ich habe mir so viel Mühe bei meinem aktuellen Facebook-Profilfoto gemacht, habe mir sogar extra Photoshop auf mein Iphone geladen und habe das Bild so schön bearbeitet. Vorher habe ich zwei Tage lang nur grüne Smoothies getrunken und ein Kilo abgenommen und ich weiß, dass Joshua online war, ich weiß es, er hat gepostet, aber er hat mein Bild nicht mal geliked. Einfach so. Weiß er nicht, wie sehr er damit meine Gefühle verletzt hat? Ich sehe auf mein Iphone. Lina schreibt. Sie sitzt am Flughafen in Schweden. Ich checke Facebook. Zwei neue Freundschaftsanfragen. Ich schreibe mit Luis im Facebook-Chat. Er ist auch bei einer Party. Stunden vergehen und als ich von meinem Handy wieder aufsehe, schläft eine junge Frau auf dem Sofa und eine weitere sitzt an ihrem Macbook. Als sie sieht, dass ich sie ansehe, sagt die “The party is over.“ Ich kaufe mir auf dem Weg nach Hause noch eine Club Mate. Die Stadt ist grau. Es sind diese Morgenstunden zwischen Nacht und Tag, in denen man sich selbst so grau vorkommt. Ich habe Hunger und zuhause esse ich einen Chia-Vanille-Pudding. Mal gucken, was ich heute mache, nachdem ich geschlafen habe. Ich checke Facebook. Da ist heute eine Vernissage in der Galerie, in der Finn arbeitet. Ich könnte da ja mal hingehen, aber ich muss mir erst mal etwas bei Weekday zum Anziehen kaufen. Ich schreibe noch mit Stuart bei imessage und dann bin ich zu müde und lege das Iphone weg. Es ist seltsam das Iphone wegzulegen. Ich komme mir dann so einsam vor. Ich halte es weiter in meiner Hand, aber auf lautlos. Ich sollte ans Meer fahren, aber ich weiß nicht, wen ich fragen soll, der mit mir hinfährt. Ich fühle mich so allein.“

Alexander Stanislovich, “East Zone“

“Was, du willst ein Buch schreiben?“ schrie Tillmann entsetzt. “Aber du bist doch Ausländer? Wie geht das?“

Alexander lachte. “Ja, Tillmann, ich bin doch Osteuropäer. Das geht noch. Wir dürfen schreiben, aber wir müssen Lustiges über Russland schreiben oder Trauriges, wenn wir aus Ex-Jugoslawien kommen. Ein muslimisch geprägtes Land wie die Türkei  geht auch noch. Das ist exotisch, aber nicht zu exotisch für Deutschland,“ sagte er.

“Du bist aber kein… kein…“ Tillmann stockte.

“Arbeiterkind?“ fragte Alex und lachte. Beide lachten nun. “HAHAHAHAHA.“ hallte es durch die Bar. Die Leute sahen sich schon nach ihnen um.

“Selbstverständlich nicht. Meine Eltern sind Akademiker.“

Tillmann atmete erleichtert auf. “Arme Menschen können keine Bücher schreiben.,“ sagte er.

“Das nun wirklich nicht,“ entgegnete Alexander.

“Entschuldigen Sie, unterhalten Sie sich über Literatur?“ fragte ein Mann vom Nachbartisch.

“In der Tat,“ sagte Tillmann. “Warum fragen Sie?“

“Wissen Sie, ich bin Lektor und ja, arme Leute können nun wirklich keine Bücher schreiben. Das will doch kein Mensch lesen, geschweige denn verlegen. Diese Primitivlinge haha. Wir wollen nur Bürgerkinder-Betroffenheitsprosa,“ sagte er und lachte laut. Tillmann und Alexander stimmten ein und die drei Männer lachten zusammen. “HAHAHAHA.“ “Arme Leute,“ sagte der Lektor und klopfte sich auf das Knie. Er hatte schon Lachtränen in den Augen. “Ich mag Sie,“ sagte der Lektor. “Wollen Sie ein Buch bei unserem Verlag schreiben?“

“Gerne,“ sagte Alexander.“

 

Glückwunsch. Sie werden bald ein großer Literat werden.